Der zweite Besuch der Sommerbereisung der CDU Rüsselsheim führte zum Friedhof am Waldweg. Der Leiter der Friedhofsverwaltung Michael Finger erläuterte das Leistungsspektrum im Bestattungs- und Friedhofswesen und zog eine Bilanz zur nun vierjährigen interkommunalen Zusammenarbeit mit Raunheim und Kelsterbach.

Rüsselsheim: „Das Gesicht einer Stadt spiegelt sich im Umgang mit ihren Toten“, führte Michael Finger aus und dieses Motto zog sich wie ein roter Faden durch den Bericht zu den sensiblen Aufgaben, die er mit seinem Team zu erledigen hat. „Wir sind Dienstleister für unsere Kunden, die sich in einer Ausnahmesituation befinden oder auch einfach mal ein offenes Ohr brauche. Da kann man nicht Dienst nach Vorschrift machen und immer auf die Uhr schauen“, erzählt Finger vom täglichen Geschehen rund um die vier Friedhöfe mit einer Gesamtfläche von ca. 17 Hektar.

Die Anzahl der Grabstätten in Rüsselsheim betrage zurzeit rund 14.000, die sich in ca. 6000 Sarggrabstätten, 2000 Urnenerdgräber und 6.000 Urnennischenplätzen aufteilen. Der Anteil der Urnenbeisetzung sei in den letzten Jahren durchgängig gestiegen und liege aktuell bei ca. 84 %. Um einer Zersiedlung der Friedhofsflächen durch Urnenblöcke teilweise entgegenzutreten und den Anteil an Überhangflächen von etwa 40 %- etwas einzudämmen, habe die Friedhofsverwaltung in den letzten Jahren insbesondere für Urnenbeisetzungen Alternativen wie Baum-, Rasen-, Pflegegräber und Urnenrondell geschaffen, die von der Bevölkerung sehr positiv angenommen würden.

Die Gründe für die erhebliche Anzahl von Urnenbeisetzungen seien sehr vielfältig. Wobei die Kosten, der Verzicht auf Grabpflege und die Anzahl der Singlehaushalte bzw. die Einzelpersonen im Vordergrund stehen dürfte. Die Friedhofsverwaltung bietet aktuell auf den Rüsselsheimer Friedhöfen 17 Bestattungsmöglichkeiten für Sarg- und Urnenbeisetzungen an. Durch die Angebotspalette und die unterschiedlichen Gebührenhöhen wie z.B. 1.780 € für ein Reihengrab für einen Sarg, 3.152 € für ein Familiengrab für zwei Särge, 594 € für ein Urnenreihengrab und 615 € für ein Urnenrasengrab ohne Pflege ist es in den letzten Jahren gelungen, den sogenannten“ Leichentourismus“, ausgenommen bei Seebestattungen, zu beenden. Auf diesem Erfolg werden will sich Michael Finger aber nicht ausruhen, sondern auch in Zukunft die Entwicklung der Friedhöfe mit aller Kraft vorantreiben.
„Mit etwas Stolz schauen wir heute zurück auf das Datum 01.07.2015.“

An diesem Tag hat die Interkommunale Friedhofsverwaltung der Städte Kelsterbach, Raunheim und Rüsselsheim am Main nach dem Grundsatzbeschluss der gemeinsamen Stadtverordnetenversammlung aus dem Jahren 2013 und nach nur 1 ½ Jahren Vorbereitungs- und Erfassungszeit ihren Dienst aufgenommen.
Alle Arbeiten und Tätigkeiten im Ikz-Verfahren, ausgenommen der Vertragsentwurf zur öffentlich-rechtlichen Vereinbarung, seien durch Kolleginnen und Kollegen der Beteiligungsstädte unter der Leitung von Marion Götz aus Kelsterbach und Michael Finger erfolgreich erarbeitet worden. Die Kosten für alle Maßnahmen zur Ikz-Umsetzung inklusive der gemeinsamer EDV und räumlichen Veränderungen betrugen ca. 33.000 € und konnten durch den Ikz-Landeszuschuss in Höhe von 75.000 € mehr als vollständig getragen werden. Die unverbrauchte Finanzmittel wurden in den Jahren 2015 und 2016 mit den Partnerkommunen für die Verwaltungskosten der gemeinsamen Friedhofsverwaltung verrechnet.

Die Ikz-Friedhofsverwaltung betreut heute 6 Friedhöfe mit einer Fläche von 22 Hektar und ca. 19.000 Grabstätten. Pro Jahr werden ca. 800 Personen beigesetzt. Die Anzahl aller Gebührenbescheide beläuft sich auf ca. 1.200 mit einer jährlichen Gebührensumme von über 1. Million Euro.

Durch die interkommunale Zusammenarbeit konnten die Verwaltungskosten der Friedhofsverwaltungen von ursprünglich 415 auf jährlich 235 Tausend Euro gesenkt werden. Die jährliche Einsparung in den vergangenen Jahren beläuft sich im Mittel auf ca. 43% (in Summe 180 TSD) und liegt somit weit über den Vorgaben -15%- des Landes Hessen.

Für die Stadt Rüsselsheim bedeutet die IKZ eine jährliche Einsparung an Verwaltungskosten in Höhe von ca. 60.TSD Euro. Darüber hinaus werden Kostenbeteiligungen aus Kelsterbach und Raunheim von ca. 70 TSD generiert. Die jährliche Ergebnisverbesserung aus der IKZ beträgt somit 130 TSD Euro pro Jahr.
Unter dem Aspekt dass die Friedhofsverwaltung mit 2,7 Vollzeitstellen sich nicht nur auf reine Verwaltungsarbeit konzentriert, konnten durch innovative Maßnahmen (Abschaltung von Kühlzellen aus dem Dauerbetrieb, Einsparungen im Ergebnishaushalt aus laufenden Geschäften und Nachverhandlungen mit dem Städteservice zusätzliche Kosten in Höhe von ca. 250 TSD Euro eingespart werden. All diese Maßnahmen haben in den letzten Jahren zu einer Ergebnisverbesserung von ca. 380 TSD Euro pro Jahr geführt.

Ferner hat die Friedhofsverwaltung in den letzten Jahren mehrere Projekte wie u. a. die Entstehung von Baumgräbern in Raunheim, die Richtlinie zur Vergabe von Ehrengrabstätten (Raunheim), die Vorerwerbsmöglichkeiten zum Kauf von Grabstätten für Kelsterbach und Raunheim, ein Muslimisches Grabfeld in Kelsterbach eine Urnenparkanlage mit gärtnerischer Betreuung in Kelsterbach und aktuell die Errichtung eines Sternchenfeldes für früh- und totgeborene Kinder, in Kelsterbach auf den Weg gebracht bzw. die Maßnahmen eigenständig bearbeitet oder ins Leben gerufen.
Die Qualität der Friedhofsverwaltung spiegelt sich auch durch zahlreiche Anfragen und Besuchen von anderen Kommunen bis hin zum Hess. Städtetag und einer Kontaktaufnahme durch den bayerischen Landtagsreferenten bezüglich der Ausführung von muslimischen Beisetzungen.
Trotz der Erfolge sieht Finger aber keinen Anlass zur Eigenbelobigung. „Uns sind sehr wohl einzelne Kritikpunkte und Beschwerden aus der Bevölkerung hinsichtlich des Erscheinungsbildes von Gebäudeteilen und Grünpflege bekannt. Insbesondere im Bereich der Grünpflege besteht nach unserer Meinung noch Verbesserungsbedarf. Ungeachtet von Pflegeplänen und Pflegestufen sollte berücksichtigt werden, dass die Nutzungsberechtigten, im Gegensatz zu öffentlichen Grün- und Parkanlagen, durch die Grabnutzungsgebühren einen gesonderten Beitrag leisten. Darüber hinaus besteht seitens der Bevölkerung ein besonderer Anspruch zu Friedhofsanlagen.“

„Das die Ergebnisse der Umsetzung in der relativ kurzen Zeit erzielt werden konnten, ist maßgeblich dem Friedhofsdezernenten, Herrn Stadtrat Trapp, zu verdanken. Herr Trapp hat die Friedhofsverwaltung in allen Belangen pragmatisch unterstützt, fungierte zu jeder Zeit als Ansprechpartner und Vermittler und hat uns durch Vertrauen und ein hohes Maß an Eigenständigkeit zu den Ergebnissen geleitet. Dafür sind wir ihm sehr dankbar“, erklärt Michael Finger abschließend.

„Keine Frage der Besuchergruppe der CDU blieb unbeantwortet und man war sich einig darüber, dass man stolz auf solch engagiert arbeitende Verwaltungsmitarbeiter sein könne, die mit Herz und Sachverstand für die Bürger da sind. Die anstehenden Aufgaben zur Friedhofsentwicklung werde man in den nächsten Jahren gerne gemeinsam mit der Verwaltung beschreiten. Unsere Friedhöfe sind nicht nur funktionale Bestattungsorte, sondern haben sich auch zu Oasen der Ruhe und Besinnung entwickelt. Damit sind sie für viele Hinterbliebene auch ein Ort, an dem man Kontakt mit anderen Menschen bekommt und sich austauschen kann. Das ist eine ökologische und soziale Komponente, die uns sehr wichtig ist“, fasst der Vorsitzende des CDU Stadtverbandes Thorsten Weber den Besuch zusammen.

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