Als Auftakt zur diesjährigen Sommerbereisung der CDU-Fraktion wurde am Dienstag das "Haus am Ostpark“ besucht. Schon beim Betreten des Wintergartens wurde die Besuchergruppe mit Musik empfangen, die aus dem Akkordeon eines Mannes erklang, der jeden Tag seine Frau besucht, um für sie zu spielen.

RÜSSELSHEIM - Neben dem „Martin-Niemöller-Haus“ und der „Senterra Pflegeresidenz“ ist das „Haus am Ostpark das dritte Altenpflegeheim in der Opelstadt. Ursprünglich als städtisches Altenheim gegründet, ist die Einrichtung heute unter dem Dach des Gesundheits- und Pflegezentrum Rüsselsheim beheimatet und bietet rund 180 Senioren die Möglichkeit, ein neues, betreutes Zuhause zu finden, wenn es die persönliche Situation erfordert.
Nach einer ausführlichen Einleitung zur Geschichte und Struktur des Hauses durch den Einrichtungsleiter Eiltert Kuhlmann besichtigte die Gruppe dann gemeinsam die Räume des Hauses und den Bewohnerpark. Ein Schwerpunkt war dabei das Gebäude C, in dem das Konzept der Hausgemeinschaften etabliert ist. Diese stellen eine moderne Versorgungsform dar, die sich mittlerweile etabliert hat. In den Hausgemeinschaften leben jeweils zwölf Senioren zusammen, die dort ein komfortables Einzelzimmer von etwa 24 Quadratmetern Größe inklusive eines barrierefreien Bades bewohnen. Im Mittelpunkt der Hausgemeinschaft steht die gemeinsame Wohnküche. In dieser Wohnumgebung leben die Menschen nach dem Motto „Daheim im Heim“ und werden durch eine Präsenzkraft als Bezugsperson ganztägig betreut. Diese sorgt dafür, dass die Bewohner nach ihren Möglichkeiten am täglichen Leben, beispielsweise durch kleine Handreichungen rund um das Zubereiten der Mahlzeiten, das Tischdecken oder das Aus- und Einräumen der Spülmaschine teilnehmen können.

Eine weitere Besonderheit, für die zunehmender Bedarf herrscht, ist die beschützende Hausgemeinschaft, die es in der Einrichtung nun seit Ende 2011 gibt. Hier werden demenziell erkrankte Bewohner mit einem oftmals stark ausgeprägten Bewegungsdrang, der auch als „Hinlauftendenz“ bezeichnet wird, betreut. Diese beschützende Hausgemeinschaft besteht aus einem geschlossenen Pflegebereich mit einem sehr schönen Garten, in dem sich die Bewohnerinnen und Bewohner frei bewegen können. Allerdings – und das macht den beschützenden Charakter aus – können die Bewohner die Hausgemeinschaft und den Garten nicht ohne Begleitung verlassen. Daher sind sie nicht der Gefahr ausgesetzt, sich zu verlaufen oder im Straßenverkehr zu Schaden zu kommen.
Beim letzten Besuch der CDU-Fraktion 2012 wurden noch die zum Teil mangelhaften Einstufungsverfahren der Bewohner durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen in Pflegegrade bemängelt. Die ausreichende Finanzierung der tatsächlichen Pflegekosten kann nur bei einer angemessenen Einstufung abbildet. Kuhlmann konnte nun berichten, dass man hier gut vorrangekommen sei und partnerschaftlich mit dem MDK und der Heimaufsicht in Darmstadt im Sinne der Bewohner zusammenarbeite.
Trotz des Fachkräftemangels wird die Personalsituation in der Einrichtung als gut beurteilt. Mehr Pflegepersonal könne man natürlich immer haben, um sich noch individueller um die Menschen kümmern zu können, ergänzt Kuhlmann, da schlage das Herz des ausgebildeten Krankenpflegers immer noch in ihm. Aus seiner Sicht als Heimleiter verfügt das „Haus am Ostpark“ mit 43 examinierten Pflegekräften sowie 40 Pflegehelfern und Präsenzkräften über ausreichend Personal. Kurzfristige Engpässe durch Krankheit können durch Kräfte einer Personalleasingfirma ausgeglichen werden. Auf die selbst durchgeführte Ausbildung wird besonders wert gelegt. Die im „Haus am Ostpark“ untergebrachte Pflegeschule des GPR ist ein Standortvorteil und bietet aktuell 100 jungen Menschen die Möglichkeit pflegerische Berufe in Theorie und Praxis zu erlernen sowie sich auf ihr Staatsexamen vorzubereiten.
Am Thema der Digitalisierung kommt man natürlich auch beim Besuch einer Pflegeeinrichtung nicht vorbei. Die EDV-gestützte Dokumentation der Pflege ist aus dem Tagesablauf nicht mehr wegzudenken, erläutert Kuhlmann das Thema. Die Dokumentation empfinde er auch nicht als „Gängelung“, sondern als wichtiges Instrument, die Professionalität der Pflege sichtbar, transparent und damit nachvollziehbar zu machen. Auch im Pflegeplatzmanagement zwischen verschiedenen Einrichtungen und Krankenhäusern sind durch digitale Prozesse Menschen schneller unterzubringen. Pflege an sich sei aber immer Arbeit von Menschen an Menschen, die vor allen Dingen Empathie, Einfühlungsvermögen und Herz erfordere, Eigenschaften, die ein „Pflegeroboter“ eben nicht mitbringe.
Die Verweildauer von Heimbewohnern, die im Bundesdurchschnitt rund zwei Jahre beträgt, ist in Rüsselsheim ähnlich, erläuterte Kuhlmann auf Nachfrage. Allerdings seien „Im Haus am Ostpark“ auch Bewohner, die bereits seit acht, neun Jahren dort zuhause sind. Das durchschnittliche Alter der Bewohner liegt aktuell bei rund 86 Jahren.
Von der Freude an der Arbeit für die Menschen und der ansteckenden Fröhlichkeit, die Eilert Kuhlmann als Einrichtungsleiter ausstrahlt beeindruckt, bilanzierten die Mitlieder der CDU-Fraktion im Anschluss: „Wir können stolz sein, ein solches Seniorenzentrum zu haben. Man merkt, hier steht der Mensch im Mittelpunkt, wird mit all seinen Bedürfnissen gesehen und hat damit ein Zuhause in dieser Lebensphase und nicht „nur“ einen Heimplatz.“

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